Lotussitz – besser kann ich nicht meditieren

Lotussitz, Kopfstand und Nagelbrett sind Symbole für Yoga geworden. Alle drei sind schwer auszuführen, aus unterschiedlichen Gründen.

Der Name Lotussitz kommt daher, dass diese Sitzhaltung einer Lotusblüte ähnlich sieht. Der Lotus ist ein Symbol für Reinheit und Erleuchtung.

Die Pflanze holt aus den Wurzeln (dem Becken) die Energie, transportiert diese Energie über den Stengel (die Wirbelsäule) nach oben und strebt mit den Blütenblättern (dem Kopf) der Sonne entgegen.

Der Name im Sanskrit ist: Padmasana. Padma = Lotos; Asana = Sitz, Haltung. (Manchmal nennt man „Padma“ auch „Kamala“.)

Er trägt auch Namen wie „Lotus Stellung“ oder sogar „Lotus Thron“.

 

Meditieren ist das Ziel

Der Lotussitz war die erste Übung in der Geschichte des Yoga. Den Körper sollte ich so in Position bringen, dass ich optimal meditieren kann. Mehr war Yoga eigentlich nicht. Alle Übungen für den Körper hatten nur das Ziel, den Körper so zu kräftigen, dass ich eine lange Meditation auch durchhalten konnte.

Padmasana ist Jahrtausende alt. Es ist die stabilste Sitzhaltung zum meditieren. Ich komme bewegungslos und doch entspannt zum sitzen. Ich kann im Lotussitz einfach länger optimal ausgerichtet sitzen, als in jeder anderen Haltung. Eine wichtige Grundlage für eine Meditation die über Stunden gehen kann. Der Geist kommt dabei immer mehr zur Ruhe.

Diese Haltung wirkt schon beim Anschauen meditativ. Mit ihr dringe ich immer noch tiefer in die spirituelle Versenkung.

 

Das Video (Dauer 05:43 Minuten) stellt im Folgenden 3 einfache Übungen vor, mit denen ich die Flexibilität für den Lotossitz fördern kann. Diese Übungen sind erstens Schmetterling, zweitens Wiegen und drittens Grätsche.

 

Wie nehme ich den Lotussitz ein

Der Lotussitz sollte nur nach einer gründlichen Aufwärmung eingenommen werden.

Dann setze ich mich auf den Boden. Die Beine schlage ich so übereinander, dass die Füße auf den gegenüberliegenden Oberschenkeln liegen. Dadurch entsteht eine aufrechte Wirbelsäule, die keine Muskelkraft zum Halten mehr benötigt. Steißbein, Wirbelsäule und Hinterkopf bilden eine Linie. Die Fußsohlen sind nach oben gerichtet und die Knie berühren den Boden. Die Hände ruhen auf den Knien.

Beine und Füße sind quasi ineinander gesteckt. Die Freiheit der Bewegung ist dadurch enorm reduziert. Es ist nicht möglich, lässig in der Lotusstellung zu sitzen.

Gesäß und Knie bilden eine Auflagefläche auf drei Punkten.

 

Was kann der Lotussitz noch bewirken

Der Lotussitz ist ideal, um Mudras (Fingerhaltungen) zu üben. Manche sind überhaupt nur im Padmasana möglich. So wird der Energiefluss im Körper zusätzlich angeregt. Es können unterschiedliche Wirkungen erzielt werden, je nach Mudra.

Er ist auch eine optimale Position für Pranayama, die Atemübungen im Yoga. Die aufrechte Haltung erleichtert es für die Lunge, die Energie zu wecken und im Körper frei fließen zu lassen.

Die Chakren können geöffnet werden. Jedes Chakra wird zunächst als ungeöffnete Lotusknospe angesehen. Wenn diese Energiezentren geöffnet werden, dann öffnet sich die Blüte.

Mantren können in der Lotusstellung gesungen werden, um den Geist zu entrümpeln.

 

Der Lotussitz und seine Vorteile

Der Lotussitz gilt als „Zerstörer aller Krankheiten“. Damit wird auf die Energie angespielt, die mit ihm geweckt werden kann. Die dann ihre heilende Wirkung entfaltet.

Die gut ausgerichtete Wirbelsäule wird zum Energiekanal. Das hält den Rücken gesund und strahlt auch auf die inneren Organe aus.

Es gelangt mehr Blut in den Unterleib. Das reguliert auch den Blutdruck. Es fördert die Verdauung.

 

Schwierigkeiten beim Lotussitz

Der Lotussitz scheint die ideale Übung zu sein. Es gibt da aber ein Problem. Nur die wenigsten Menschen können ihn problemlos einnehmen.

Es gibt dazu noch eine entmutigende Theorie. Wer den Lotussitz nicht problemlos einnehmen kann, der sollte diese Übung ganz lassen.

Auf keinen Fall sollte ich diese Stellung erzwingen. Nie in die Schmerzen hinein üben. Besonders nicht bei Schmerzen in Hüfte oder Knien. Ganz besonders nicht bei Erkrankungen von Hüfte oder Knie.

Um Hüfte und Knie ausreichend gelenkig zu machen, können verschiedene Yoga-Positionen eingenommen werden (Schmetterling, Taube). Das hilft aber nur begrenzt.

So gibt es das Paradox, dass viele Yogi nicht schmerzlos in den Lotussitz hinein kommen, trotz jahrelangen Trainings. Andere schaffen ihn ohne Anstrengung schon beim ersten Versuch. Einer Theorie zufolge liegt das daran, dass wir Westler von Kindheit an auf Stühlen sitzen und nicht auf dem Boden, wie die Inder. Das verkürzt Muskeln, Sehnen und Bänder nachhaltig. Beim Lotussitz aktiviert man aber gerade die Muskeln, Sehnen und Bänder, welche ich auf Stühlen nicht brauche.

Die Lotusstellung sollte auch unbedingt unter Anleitung eines Lehrers eingenommen werden. Fehler sollte ich sofort korrigieren. Wenn sie sich erst einschleichen, dann kann es zu schlimmen Fehlhaltungen kommen.

 

Hilfsmittel für die Lotusstellung

Trotzdem ist die Lage nicht so hoffnungslos, wie es zuerst scheint. Denn es gibt eine ganze Reihe von Hilfsmitteln, mit denen die Lotusstellung schliesslich einfacher einzunehmen ist.

Es gibt Blöcke zum unterlegen, es gibt spezielle Kissen, Hocker und Bänke, mit denen eine entspannte Meditation im Lotussitz doch noch gelingen kann.

Das verringert vor allem den Druck auf Hüfte und Knie.

Dann nehme ich den Lotussitz nicht mehr so lehrbuchhaft ein wie ein waschechter Yogi, aber ich nehme ihn sicher ein – und das ist viel wichtiger.

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Halber und doppelter Lotussitz

Es gibt dann noch Ardha Padmasana, den halben Lotussitz. („Ardha“ bedeutet im Sanskrit „halb“.) Der ist zudem nicht ganz so anstrengend.

Beim halben Lotos lege ich nur ein Bein auf dem anderen Oberschenkel ab. Das andere Bein liegt auf dem Boden, unter dem gegenüber liegenden Oberschenkel. Diese Beinstellung wird dann während der Meditation zur Entspannung regelmäßig gewechselt.

Dann gibt es auch noch einen viertel Lotus. Bei dem liegt der eine Fuß auf dem gegenüber liegenden Unterschenkel.

 

Es gibt aber auch noch eine Steigerung vom Lotussitz. Padmasana dann im Kopfstand. Bei dieser Übung kommt zuerst der Kopfstand. Dann formen die Beine den Lotos. Der eigentliche Sinn der Lotusstellung ist so auf den Kopf gehoben.

 

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