Faszien Yoga – wieder federnder und geschmeidiger werden

Das Bindegewebe bzw. die Faszien sind das Gewebe, das unseren Körper zusammenhält. Faszien Yoga hält sie beweglich.

Wenn wir in ein Korsett gezwängt werden, dann können wir uns nicht mehr so gut bewegen. Je enger das Korsett, je steifer werden unsere Bewegungen.

Die Fazien sind ein inneres Korsett. Wenn das zu straff gespannt ist, können wir uns weniger bewegen.

 

Das Video (Dauer 06:39 Minuten) zeigt im Folgenden dynamisches Faszien Yoga.

 

Wir sind so alt wie unser Bindegewebe. Je elastischer es ist, desto jünger und fitter fühlen wir uns.

Faszien Yoga ist die beste Art, wieder beweglich zu werden. Die Bewegungen werden federnder und geschmeidiger. Der Körper wird biegsamer. Die Figur wird straffer. Einer Alterssteifigkeit wird vorgebeugt.

Auch Sportler verbessern ihre Kondition mit Übungen für die Faszien.

Die verschiedenen Arten von Faszien Yoga

Streng genommen gibt es kein Faszien Yoga. Es ist eine Zusammenstellung verschiedenster Techniken. Jeder macht es etwas anders. Der gemeinsame Nenner ist, dass sie an Yoga Stellungen (Asanas) praktiziert werden.

Zunächst ist normales Yoga schon Arbeit mit den Faszien. Wenn auch nur am Rande.

Dann gilt es als beispielsweise als Faszien Yoga, wenn ein Yogalehrer einem Teilnehmer sanft in eine Stellung hilft.

Es gibt ein Yoga, das manchmal auch als Yoga für die Faszien bezeichnet wird, das Yin Yoga. Im sanften Yin Yoga wird jede Asana für Minuten gehalten. Was ebenfalls die Faszien trainiert.

Das ist ein Teil des Faszien Yoga Trainings. Es ist aber eben nur ein Teil.

Die anderen Techniken sind dynamisch. Die Asanas dafür kommen aus dem Hatha Yoga oder ebenfalls aus dem Vinyasa Power Yoga.

Nach den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft sind diese Übungen angepasst. Leicht abgewandelt sind sie dann in die klassischen Haltungen im Yoga integriert.

Mit einer spirituellen Praxis des Yoga hat das dann aber nichts mehr zu tun.

 

Wann kommen die Erfolge?

Faszien Yoga braucht Zeit, um richtig erfolgreich zu sein. Die Faszien sind keine Muskeln. Sie brauchen Zeit für diesen Prozess.

Bei den Techniken der Massage kommen die Erfolge recht schnell. Das Lösen der Spannungen ist direkt nach jeder Übung spürbar.

Bei den anderen Übungen, den Änderungen der Struktur der Faszien, braucht es 3 bis 24 Monate, bis sich der volle Erfolg einstellt.

 

Faszien Yoga Übungen

Beim Faszien Yoga wird auf verschiedenen Wegen trainiert.

 

Bewegung

Faszien Yoga sorgt zuerst für Bewegung.

Unser Organismus ist ein ökonomisches System. Was ich nicht brauche, das baut sich ab. Hingegen was ich brauche, das baut sich auf.

Das Bindegewebe kann zwei Dinge nicht vertragen. Erstens zu wenig Bewegung und zweitens zu viel Bewegung.

Um beweglich zu bleiben, braucht es Bewegung. Sonst bildet sich das Bindegewebe zurück.

Überforderung, beispielsweise durch zu viel Sport, kann dem Gewebe aber auch schaden.

 

Dehnen (Fascial Strech)

Faszien Yoga dehnt auch das Gewebe.

Hier kommen die Vorteile der Yoga Haltungen (Asanas) voll zum Tragen. Das Bindegewebe kann ich gezielt dehnen. An einzelnen Stellen mit kreativen Mikrobewegungen oder auch dreidimensional durch den ganzen Körper. Die neuesten Erkenntnisse aus der Faszien-Forschung werden an einzelnen Asanas umgesetzt. Unabhängig vom Yogastil und von der eigentlich richtigen Haltung.

Es ist ein ständiger Wechsel aus Dehnen und Entspannen.

Ich unterscheide zwischen statischen und dynamischen Dehnungen.

Bei den statischen Dehnungen halte ich eine Position lange.

Bei den dynamischen Dehnungen verwende ich Dehnimpulse in unterschiedlicher Dauer. Dabei werden die Winkel und Zugrichtungen der Positionen mit kleinen wippenden Bewegungen intuitiv und kreativ verändert.

 

Beleben (Fascial Release)

Faszien Yoga massiert ebenso das Gewebe.

Das Gewebe bringe ich mit einer Massage unter Druck. Diese Massage soll das Gewebe entspannen, Verklebungen lösen und Schlacken abtransportieren.

Die Massage erfolgt mit einer Rolle aus Hartschaum und mit Bällen.

Dabei wird das Gewebe auch „juicy“ („saftig“).

Die Faszien sind ein wichtiger körpereigener Speicher für Wasser. Sie schwimmen in Gewebewasser. Besonders bei sehr langsamen Dehnungen drückt die Rolle das Wasser im Gewebe heraus wie aus einem Schwamm. Das regt das Wasser im Gewebe an, sich zu erneuern. Produkte des Stoffwechsels werden abtransportiert, erneuerte Flüssigkeit strömt zurück. Je besser ich die Faszien deshalb durchfeuchte, umso elastischer können sie sein.

Besonders die schmerzhaften Stellen sollte ich in den Wiederholungen rollen. Bis es schliesslich zu einem angenehmen Wohlschmerz kommt.

 

Federn (Rebound Elasticity)

Faszien Yoga erhöht ausserdem die Elastizität.

Wer beschwingt und leichtfüßig die Treppe herunter gehen will, der braucht dazu den Katapult-Mechanismus der Faszien.

Je mehr die Faszien die Arbeit übernehmen statt der Muskeln, umso weniger grobe Kraft brauche ich.

Wie ein Känguru oder ein Frosch kann auch der Mensch kinetische Energie speichern und wieder freisetzen.

Im Körper herrscht somit eine Arbeitsteilung zwischen Muskeln und Faszien. Beim Laufen und Hüpfen kommt viel Energie aus den Faszien.

Diese kommt zunächst aus den Sehnen und den Bändern, die aus dem gleichen Material sind wie die Faszien. Aber letztlich ist das ganze Gewebe der Faszien daran beteiligt.

Diese Fähigkeit des Speicherns der Faszien trainiere ich.

Schüttelübungen stärken das fasziale Gewebe. In den Asanas federe und schwinge ich. Kreative wechselnde Sprünge und Schwünge sind erwünscht. Dabei immer wieder leise und sanft auf dem Boden aufkommen.

 

Spüren (Sensory Refinement)

Beim Faszien Yoga verbessert sich zudem auch die Wahrnehmung unseres Körpers (Propriozeption). Wir hören hierzu immer tiefer in uns hinein.

Die Faszien sind übersät mit Rezeptoren, die auf Druck, Bewegung und Temperatur reagieren. Wir nehmen unseren Körper über sie wahr.

Wir nehmen sogar die Geschichte unseres Körpers über sie wahr. Erinnerungen an Schmerzen, an Verletzungen und an Gefühle sind im Bindegewebe gespeichert.

Beim Training der Faszien übernimmt somit das Körpergefühl die Leitung. Es nehmen nicht alle Übende die gleiche Pose ein, wie in einem normalen Yogakurs. Der Körper bewegt sich intuitiv. Der Übende folgt dann seinem Gefühl. Der Körper weiß am besten, was im gut tut.

Die Techniken dafür sind Berührungen, Mikrobewegungen, der Einsatz von Vibrationen durch Klang und Balance Übungen. Ebenso verkörperte Visualisierungen und das Spielen mit Geschwindigkeit, Rhythmus und Intensität.

 

Was sind die Faszien

Faszien Yoga kommt vom lateinischen Wort „Faszien“. Es bedeutet: Band, Bündel oder Verbund.

Die Faszien, auch Bindegewebe genannt, durchziehen den ganzen Körper. Es ist schliesslich die Verpackung für alle Organe. So hält unser Körper zusammen. Sie verbinden alles mit allem und trennen es gleichzeitig voneinander ab. Wie in einer Apfelsine.

Noch bis vor kurzen wurde das als ihre einzige Funktion betrachtet. Heute weiß man es besser.

Die Beweglichkeit des Körpers hängt vor allem vom Netz der Faszien ab. Es ist gleichzeitig einerseits straff und andererseits biegsam.

Dieses Gewebe enthält keine Blutgefäße. Dafür enthält es viele Nerven und Rezeptoren. Es ist das größte Sinnesorgan unseres Körpers. Entscheidend für die Wahrnehmung unseres Körpers. So registriere ich entsprechend bei jeder Bewegung die Lage meiner Gliedmaßen.

Es kann sich unabhängig von den Muskeln zusammenziehen. Stress lässt die Spannung im Gewebe steigen. Auch Schmerzen können von ihm kommen und durch es verschwinden.

Wenn Faszien verspannen oder verhärten, dann versteifen wir und werden unbeweglicher. Unbewegliche Faszien bedeuten einen unbeweglichen Körper.

 

Links

 

Hierzu mehr Informationen zum Thema: F a s z i e – beim freien Lexikon Wikipedia

 

 

Faszien Yoga Übungen – Buch: Dynamische Übungen zur Kräftigung und Stabilisierung der Körpermitte. Viele Übungen dort als Alternative zum herkömmlichen Yoga. Einen an das Training der Faszien angepasster Sonnengruß. Ein Blick ins Buch ist möglich.: Y o g a – F a s z i e n t r a i n i n g. Mit umfangreichem Übungskatalog und dem Fasziengruß. – ansehen bei Amazon

 

45 Spiraldynamik Übungen für bessere Yoga Positionen – Buch: Die Übungen der Spiraldynamik richten sich ganz nach der menschlichen Anatomie. Mit jeder Übung wächst meine körperliche Aufrichtung. So können dann auch Yoga Haltungen besser eingenommen werden.: Spiraldynamik (R) Achtsame Körperhaltung: Liegen, sitzen, stehen, gehen. Die besten Übungen für ein neues Körperbewusstsein. Buch. – ansehen bei Amazon

 

 

Das könnte Sie zudem noch genauso interessieren:

* Faszien Rolle – zwischen Anspruch und Wirklichkeit

* Yogalates – ein Fitnessprogramm aus Yoga und Pilates

* Yoga Stile – eine Übersicht von A bis Z