Tai Chi ist Yoga ohne Dehnen und Verrenkung

Das bekannte Motto für Tai Chi ist: „Übe Tai Chi und du erlangst die Gesundheit eines Holzfällers, die Biegsamkeit eines Kindes und die Gelassenheit eines Weisen.“

Das ist auch ein Ziel von Yoga. Nur geschieht das im Tai Chi mit ganz anderen Methoden. Auch mit Übungen für den Körper. Das ja. Aber die Bewegungen sind ganz anderes.

 

Tai Chi kennt keine Verrenkungen wie Yoga

Mit Tai Chi soll ich „die Biegsamkeit eines Kindes“ erlangen. Dennoch verbiege ich mich beim Üben nicht.

Viele Menschen wollen kein Yoga üben. Es könnte ihnen aber helfen. Sie wollen sich aber nicht auf den Kopf stellen. Wollen nicht in den Lotossitz. Haben ja oft schon Probleme, aus einem Sessel wieder aufzustehen.

Yoga nervt darum oder es macht sogar Angst.

Als Steigerung kennt Yoga dann auch noch Hilfsmittel wie beispielsweise Blöcke oder Gurte. Die sollen helfen, wenn die eigene Gelenkigkeit nicht ausreicht. Was irgendwann immer der Fall ist.

Tai Chi kennt keine Verrenkung. Das beginnt schon damit, dass ich nur im Stehen übe. Kein Sitzen. Schon gar kein Liegen.

D.h. beim Tai Chi muss ich nicht runter auf den Boden. Was beim Yoga häufig der Fall ist. So häufig, dass man dafür sogar eine Matte braucht.

Ein Tai Chi Übender braucht nichts außer lockeren Klamotten und einen festen Stand. Der Yogi dagegen ist mit einer regelrechten Ausrüstung dabei.

Das Übungen von Tai Chi ist eher vergleichbar damit, Harfe spielen zu lernen. Die Bewegungen zu koordinieren ist die Herausforderung. Es dauert lange, es richtig zu können. Verrenken muss ich mich dabei aber nicht.

 

Yoga ist Dehnung. Tai Chi ist Loslassen.

Beim Yoga gehört das Dehnen immer dazu. An die Grenze gehen. Über die Grenze gehen. Einen Gurt dabei zu Hilfe nehmen. Wenn der Körper nicht nachgeben will.

Tai Chi geht nie über die Grenze hinaus, an der das Dehnen beginnt. Es verschiebt sich aber im Laufe der Zeit unmerklich diese Grenze.

Es ist im Tai Chi immer ein Bewegen in der Entspannung. Ja, die Bewegungen entstehen überhaupt erst aus der Entspannung. Dem würde eine Dehnung entgegenstehen.

Das Bewegen in Spiralen entsteht dadurch, dass ich in den Boden loslasse. Das Loslassen dehnt indirekt auch. Über die Zeit. Unmerklich mache ich meinen Körper so beweglicher.

Durch die andauernde Entspannung können sich Muskeln, Sehnen, Bänder und Faszien immer mehr weiten. Ohne sich dabei dehnen zu müssen.

 

Tai Chi ist der Wechsel von Yin und Yang. Yoga dagegen ist Starrheit.

Im Yoga halte ich jede Position eine Weile lang, Tai Chi hingegen ist ein Zappelphilipp. Das fällt nicht auf, weil alles so langsam geschieht.

Im Tai Chi wird mit jedem Schritt die andere Seite des Körpers völlig entlastet. Da dies im ständigen Wechsel geschieht, knetet das den Körper einerseits unmerklich und andererseits allseitig durch.

Das trainiert die Muskeln in jede Richtung. Auch in die Tiefe hinein.

Es massiert die inneren Organe.

Alle Gelenke rotieren. Sie rotieren zudem noch in wechselnde Richtungen. Und je mehr Gelenke an einer Bewegung beteiligt sind, um so geringer ist die Belastung für jedes einzelne Gelenk.

Das stärkt auch die Knochen. Denn deren Struktur ist abhängig von den Belastungen, denen sie ausgesetzt sind.

 

Tai Chi ist immer langsam aber nie still

Der Yogi nimmt eine Position ein. Dann hält er diese. Schließlich wird die nächste Position eingenommen usw.

Tai Chi kennt zwar Figuren. Es sind aber Figuren wie in einem Tanz. Ein sehr langsamer Tanz. Aber ein Tanz. Alle Bewegungen scheinen gegen eine Bremse ankämpfen zu müssen. Als würde ich mich auf dem Grund eines Sees bewegen. Ich muss ununterbrochen den Widerstand des Wassers überwinden.

Die Langsamkeit hat den Grund, dass ich so die tiefen Muskeln aktivieren kann. So kann ich sie dann auch trainieren. Das stärkt dann meine Haltemuskulatur. Nur mit dem Halten der Positionen wie im Yoga ist dies kaum möglich.

So kommt es zu der paradoxen Situation, dass ich die Haltemuskulatur mit Tai Chi stärke, obwohl ich mich dabei bewege. Mit Yoga aber kaum, obwohl ich mich dabei in Positionen halte.

 

Qualität kommt vor Quantität

Im Tai Chi kann ich mir keine Übung aussuchen. Ich lerne die Form, die eine festgelegte Abfolge von Übungen hat. Das ist es dann. Da wird nichts mehr hinzugefügt und nichts mehr weggelassen.

Es gibt zwar noch unterschiedlich lange Formen. Doch das Prinzip ist immer das gleiche.

Tai Chi beginnt erst richtig, wenn ich die Figuren beherrsche. Dann beginnt eine Reise ins Innere. Es gibt jedes Mal etwas neues zu entdecken.

Beim Yoga muss ich mir immer Gedanken machen, welche Übung ich noch dazu nehmen sollte. Welche Übung mir noch zusätzlich Gutes tun könnte. Oder welche Übung ich besser weglasse, weil sie mir Probleme macht. Oder welche Übung ich besser öfter wiederholen sollte.

 

Links zum Tai Chi lernen

* Tai Chi Qi-Schwinge Übung zum Lockern und Entspannen – Videoclip ansehen auf Youtube

* Tai Chi Lehrer in Deutschland – Liste

 

 

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Tai Chi in kleinen Häppchen – Buch: Die Übungen folgen den Tai Chi Prinzipien. Sie sind Schritt für Schritt erklärt. Es sind kleine Übungen zur Gesundheit, die aber noch keine Tai Chi Form darstellen.: Tai Chi für zwischendurch. Kompakt-Ratgeber: Neue Energie durch einfache Übungen. Buch. – ansehen bei Amazon

 

 

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