Raja Yoga – Meditation bis zur Erleuchtung

„Raja“ bedeutet „König“. Raja Yoga ist der Königsweg im Yoga.

Der Übende von Raja Yoga lernt, seinen Geist zu entwickeln und schließlich über ihn zu herrschen, wie ein König über seine Untertanen. Dies wird vor allem erreicht durch Selbstbeherrschung.

Der Yogi beobachtet seinen Geist. Er beruhigt immer mehr seine Gedanken und schränkt sie ein. Das gelingt umso besser, je mehr er sich von seinen Begierden trennt. Alle Wünschen werden losgelassen.

Die Gefühle werden eingefangen. Einerseits würden wir ohne den Antrieb der Gefühle in einem trägen Zustand verharren. Andererseits dürfen wir uns nicht von unseren Gefühlen beherrschen lassen. Wir müssen die Gefühle unter Kontrolle halten.

Der Lohn ist innere Zufriedenheit und Gelassenheit in allen Situationen.

 

Im Video (Dauer 07:25 Minuten) ist im Folgenden ein Vortrag zu sehen über die Ziele des Raja Yoga.

 

Die 4 klassischen Yoga-Wege

Raja Yoga ist einer der vier Hauptwege im Yoga. Zum Raja Yoga gehören auch noch Kundalini und Hatha.

 

Alle Yoga-Wege haben das gleiche Ziel, gehen aber verschiedene Pfade, um den Einklang von Körper, Geist und Seele zu erreichen. Eine Harmonie in sich selbst zu finden als auch mit der uns umgebenden Welt.

 

Die anderen 3 klassischen Yoga-Wege sind:

Jnana Yoga als Weg der Erkenntnis. Der Übende denkt über die klassischen philosophischen Fragen nach und meditiert.

Karma Yoga als Yoga der Tat. Der Übende versucht, nur noch selbstlos zu handeln.

Bhakti Yoga als Hingabe und Liebe zu Gott. Der Übende versucht, jede Egozentrik zu vermeiden und sich ganz dem Göttlichen zu widmen.

 

Raja Yoga und die Sutras

Die Praxis des Raja Yoga wurde in 196 Sutras niedergeschrieben. Diese Aufzeichnungen sind etwa 2000 Jahre alt.

Die Sutras sind sehr kurz. Es ist eher eine Sammlung von Überschriften. Da ist viel Platz für Interpretationen gelassen. Sie müssen kommentiert werden. Nur ein Lehrer kann sie mit Inhalt füllen.

 

Das Yoga Sutra ist dafür in vier Kapitel unterteilt:

– Kapitel 1: Samadhi Pada – spirituelle Praxis als Weg
Yoga wird definiert. Es wird dazu eine Theorie über den Geist aufgestellt.

– Kapitel 2: Sadhana Pada – der Weg der spirituellen Praxis
Befasst sich dann mit den äußeren Übungen, den ersten 5 Stufen des achtgliedrigen Yoga-Pfads.

Kapitel 3: Vibhuti Pada – Übernatürliche Kräfte als Hindernisse auf dem spirituellen Weg
Hier werden zudem die drei höchsten Stufen des achtgliedrigen Yoga-Pfads besprochen.

Kapitel 4: Kaivalya Pada – der Weg der Befreiung
Wie kann schliesslich die höchste Stufe erreicht werden.

 

Die 8 Stufen des Raja Yoga

Raja Yoga wird auch Ashtanga Yoga genannt; das bedeutet „achtgliedriger Yoga“. Denn Raja Yoga wird in „acht Gliedern“ bzw. „acht Stufen“ geübt.

 

Die beiden ersten Stufen sind eine wichtige Vorbereitung auf die Meditation. Für alle, die mit Raja Yoga Gott näherkommen und Erleuchtung erlangen wollen, sind sie ein wichtiger Schutz davor, in Magie und Spiritismus abzurutschen.

 

* Stufe 1: Yama (Die 5 Enthaltungen)

Das sind 5 ethischen Regeln zum Verhalten für den Umgang mit anderen. Es geht dabei um Selbstbeherrschung in Gedanke, Wort und Tat.

Die 5 Enthaltungen im Raja Yoga sind:

Erstens: Arglosigkeit. Gewaltlosigkeit in Gedanken, Worten und Taten.

Zweitens: Wahrhaftigkeit. Die Wahrheit sagen, ohne dabei zu verletzen. Nie lügen.

Drittens: Nicht stehlen. Denn Diebstahl ist ein Zeichen von Neid und Gier. Auch kein geistiges Eigentum stehlen.

Viertens: Enthaltsamkeit. Jede Art von Sinnenlust soll eingeschränkt werden.

Fünftens: Keine Geschenke annehmen. In keine Abhängigkeit geraten. Unbestechlich sein. Loslassen von Besitz.

 

* Stufe 2: Niyama (Die 5 Regeln der Selbstdisziplin)

Das sind moralische Gebote für den Umgang mit uns selbst.

Die 5 Regeln der Selbstdisziplin im Raja Yoga sind:

Erstens: Innere und äußere Reinheit.

Zweitens: Zufriedenheit. Der größte Reichtum, den wir besitzen können.

Drittens: Disziplin. Askese.

Viertens: Selbstreflexion; nachforschen über sich selbst. Das Studium heiliger Schriften.

Fünftens: Hingabe an das Göttliche, unabhängig von einer Religion.

 

Hatha Yoga als Teil des Raja Yoga

Die folgenden beiden Stufen, Asana und Pranayama, sind der wichtigste Teil im Hatha Yoga.

Ein untrainierter Körper ist schlaff und kann eine gute Haltung zur Meditation nicht optimal einnehmen. Daraus kann keine tiefe Meditation entstehen.

Die Beherrschung des Körpers im Hatha Yoga ist die Voraussetzung dafür, dass in den höheren Stufen im Raja Yoga die Gedanken beherrscht werden können.

 

* Stufe 3: Asana (Sitz, Haltung)

Die Asanas sind schliesslich das, was die meisten Menschen unter Yoga verstehen. Es sind die Yoga-Stellungen, die „Verrenkungen“, die Haltungen bei der Meditation.

Es braucht einige Übung, um in eine Position richtig hinein zu kommen. Damit dann die Meditation auch ungestört gelingen kann.

Die Haltung im Sitzen sollte dabei fest und bequem sein, damit man längere Zeit ohne Probleme meditieren kann. Der Yogi soll in der Lage sein, sich ganz auf das Innere zu konzentrieren.

 

* Stufe 4: Pranayama (Atemkontrolle, Beherrschung der Lebensenergie)

Pranayama beschreibt die Atemübungen im Yoga. Mit den Atemtechniken wird dann der Geist beruhigt und die Lebensenergie (Prana) stimuliert.

Schließlich wird die Lebensenergie zudem auch kontrolliert. Das ist im Raja Yoga aber nicht das Ziel sondern eine weitere Übung auf dem Weg für eine intensive Meditation.

 

Stufe 5: Pratyahara (Aufmerksamkeit. Das Zurückziehen der Sinne)

Pratyahara beschreibt im Raja Yoga dabei die Aufmerksamkeit als Vorstufe der Konzentration.

Die Lebensenergie wird immer mehr von der Außenwelt zurückgezogen. Die sonst durch die 5 Sinne (Sehen, Hören, Fühlen, Riechen, Schmecken) verbraucht wird.

Eine Ablenkung nach der anderen wird dann beseitigt. Der Blick wird von äußeren Objekten immer mehr nach innen gerichtet. Der Geist wird schliesslich von den Sinnen getrennt.

Je besser dies gelingt, umso besser kann dann die Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Punkt gerichtet werden.

Dieser Punkt ist häufig das Dritte Auge. Es kann aber auch ein Wort sein, eine Rose, die Flamme einer Kerze, das Ticken einer Uhr usw.

Jedes mal, wenn die Gedanken abschweifen, schubst schliesslich die Aufmerksamkeit den Geist zurück auf den Punkt.

Es entsteht eine Verinnerlichung, die dann entspannt mit Störungen von außen umgehen kann.

 

Samyama

Die letzten drei Stufen (erstens Dharana, zweitens Dhyana und drittens Samadhi) werden zusammen als Samyama bezeichnet.

Hier werden die Übungen wirklich innerlich. Hier beginnt somit das wahre Raja Yoga.

Es werden dann die Stufen zur spirituellen Erleuchtung betreten.

 

* Stufe 6: Dhrana (Konzentration)

Dhrana ist im Raja Yoga die Fähigkeit, sich ausschließlich auf einen Punkt konzentrieren zu können. D.h. zu jeder beliebigen Zeit und an jedem beliebigen Ort.

Alle anderen Tätigkeiten des Geistes kommen dann zur Ruhe.

Der Geist ist fest mit dem Punkt verschmolzen.

(Dieser Konzentration wird so tief, das ihre auch übersinnliche Fähigkeiten nachgesagt werden. Zumindest hoffen einige Yogi darauf.)

 

* Stufe 7: Dhyana (Meditation)

Zum meditieren braucht es eine passive Grundhaltung. Der Zustand der Meditation kommt von selbst. So wie der Schlaf kommt, wenn der Körper zur Ruhe gekommen ist, so kommt die Meditation, wenn der Geist schliesslich zur Ruhe gekommen ist.

Meditation kann man nicht wollen, sie geschieht einfach.

Dhyana ist ein ununterbrochenes Fließen der Gedanken zum Objekt der Meditation. So wie der Fluss sich vollkommen im Ozean auflöst, so sollten sich die Gedanken vollkommen im Objekt der Meditation auflösen.

Der Yogi erhebt sich in höhere Zustände des Bewusstseins. Er lässt dabei alle Bedürfnisse und Gedanken hinter sich.

 

* Stufe 8: Samadhi (Erleuchtung)

Die Erleuchtung ist zuletzt das große Ziel von Raja Yoga.

Wem das Wort Erleuchtung nicht gefällt, der findet hier einige Alternativen: Einheitsbewusstsein, Überbewusstsein, Gedankenlosigkeit, Vollkommene Verwirklichung, Völliges Verschmelzen, Einheit, Erwachen, Ekstase, Glückseligkeit, Gotteserfahrung, Gottesverwirklichung, Kontemplation oder einfach nur mit anderen Worten das Ziel des Yoga.

Es ist dann die vollkommene Einheit. Dualität gibt es nicht mehr. Es gibt nicht mehr Tag und Nacht. Nicht mehr Licht und Dunkelheit. Es gibt kein Ichbewußtsein mehr.

Um dieser Fähigkeit immer näher zu kommen, werden die acht Stufen des Raja Yoga dann immer wieder durchlaufen.

 

Links zum Raja Yoga

Hierzu mehr Informationen zum Thema: R a j a – Y o g a – beim freien Lexikon Wikipedia

 

 

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